08. Dezember 2025
Familie, Ehe und Konkubinat, Erben

Richtig erben und vererben – Fallstricke vermeiden

Jahr für Jahr wird in der Schweiz Vermögen im Wert von schätzungsweise 100 Milliarden Franken vererbt. Doch der Weg zum erfolgreichen Generationenwechsel birgt zahlreiche rechtliche und zwischenmenschliche Herausforderungen. Wer seinen Nachlass sauber regelt, schützt seine Angehörigen vor Konflikten – und sichert die eigenen Wünsche ab.

Nachlass rechtzeitig planen

Eine umfassende Nachlassplanung ist nicht erst eine Frage für Seniorinnen und Senioren. Laut aktuellen Studien beschäftigen sich die meisten aber erst nach der Pension mit der Regelung ihres Vermögens. Besonders relevant: Gehört zum Nachlass ein Familienunternehmen, entsteht zusätzlicher Beratungsbedarf und Handlungsdruck.

 

Testament: Braucht es das überhaupt?

In rund zwei Dritteln der Todesfälle fehlt in der Schweiz ein Testament – dann gilt automatisch die gesetzliche Erbfolge. Handlungsbedarf besteht insbesondere bei Konkubinatspaaren und Patchworkfamilien, da das neue Erbrecht zwar mehr Gestaltungsspielraum bietet, aber in traditionellen Bahnen bleibt. Die richtige Form des Testaments ist essenziell: eigenhändig handschriftlich, öffentlich beurkundet, oder – im Notfall – mündlich vor zwei Zeugen.

 

Gesetzliche Erbfolge – wer erbt was?

Liegt kein Testament vor, bestimmt das Gesetz die Erben nach Verwandtschaftsgrad. Hauptbegünstigte sind Ehepartner und Nachkommen; Konkubinatspartner oder Stiefkinder gehen hingegen leer aus. Existieren keine gesetzlichen Erben, fällt das Vermögen an den Staat.

 

Den Konkubinatspartner absichern

Während Ehegatten von Gesetzes wegen geschützt sind, gilt dies für den Lebenspartner im Konkubinat nicht. Wer seinen Partner absichern möchte, muss ihn im Testament oder mittels Versicherungslösung (z. B. Lebensversicherung) explizit begünstigen.

 

Steuerliche Aspekte – Unterschiede je nach Kanton

Erbschaften bleiben für direkte Nachkommen und Ehepartner in den meisten Kantonen steuerlich privilegiert. Für Stiefkinder und Partner im Konkubinat hingegen können erhebliche Steuern anfallen. Besonders in komplexen Familiensituationen oder wenn mehrere Nationalitäten involviert sind, empfiehlt sich eine präzise Abklärung der Steuerfolgen.

Vorsorge und Nachlassplanung abstimmen

Zum gelungenen Nachlassmanagement gehört auch die Koordination mit der eigenen Vorsorge. Bezugsmöglichkeiten aus der Säule 3a oder Pensionskasse können sich erbrechtlich unterschiedlich auswirken und sollten frühzeitig abgeglichen werden.

 

Digitaler Nachlass und neue Fallstricke

Die Bedeutung digitaler Vermögenswerte wächst – seien es Kryptowährungen oder digitale Konten. Wer verhindern will, dass nach dem Tod wichtige Zugänge verloren gehen, muss den digitalen Nachlass klar regeln. Ein Testament als Audioaufnahme ist in der Schweiz aktuell (noch) nicht zulässig.

 

Schutz vor Erbschleicherei

Gerade ältere oder pflegebedürftige Menschen sind besonders gefährdet. Verdächtige Einflussnahmen auf deren Willensbildung sollten frühzeitig erkannt und dokumentiert werden.

 

Fazit

Eine vorausschauende Nachlassregelung, die auf die individuelle Familienkonstellation Rücksicht nimmt, verhindert Streitigkeiten und schützt die Beteiligten. Für die optimale Gestaltung empfiehlt sich die frühzeitige Beratung durch unsere Spezialistinnen und Spezialisten im Erbrecht. So lassen sich rechtliche Fallstricke umgehen – und der letzte Wille bleibt gewahrt.

Autor
Alexander Frei

Fachanwalt SAV Bau- und Immobilienrecht

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